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Aquaponics planen

« Von der ersten Idee zur eigenen Aqua Farm »

„Tilapiafilet in Kräuterhülle an Fenchelgemüse mit bunten Salaten der Saison“ Dabei handelt es sich nicht um einen Auszug aus der Speisekarte in Ihrem Lieblings-Restaurant! Es ist das Ergebnis von Aquaponics, auch Aquafarming genannt: Ein System, das Gemüsebau und Fischzucht zusammenbringt. Umsetzbar in Maßstäben als Hobby-Aquafarmer bis zur professionellen Produktion. Mit der Planung zu Aquaponics starten wir heute unsere neue Fortsetzungsreihe.

Wie funktioniert Aquaponics?

Wer will, erntet mit Aquafarming das ganze Jahr Gemüse und frischen Fisch. In der Anlage zirkuliert für beides ein einziger Wasserkreislauf. Der schafft Süßwasser-Fischen einen Lebensraum: Aquakultur. Parallel dazu wird Gemüse in Hydrokultur produziert. Hydrokultur mal Aquakultur gleich Aquaponics!

Wie sieht das praktisch aus? Im Fischbecken schwimmen Tilapia, Barsche oder Catfish, auch Welse und selbst Süßwasser-Krebse sind möglich. Zwischen Fischen und Gemüse verwandeln Würmer und Bakterien die nährstoffreichen Ausscheidungen der Fische zu natürlichem Dünger für die Pflanzen. Deren Wurzeln umspült das so angereicherte Wasser anschließend im Pflanzbeet. Sie nehmen die Nährstoffe auf und wachsen. Das „Frischwasser“ geht gereinigt, zurück ins Fischbecken: Der Kreislauf ist geschlossen.

Der Catfisch ist für Aquaponics geeignet
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Bestechend: Die Vorteile beim Aquafarming

Durchdachtes Aquaponics besitzt viele Vorteile:

  • Ganzjährige Selbstversorgung mit gesundem, frischem Fisch und frischem Gemüse bedeutet moderne Selbstversorgung
  • Umweltfreundliche Produktion im geschlossenen Kreislauf
  • …ohne chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel, ohne Medikamente oder Hormon-Rückstände (wie oft in Fisch aus konventioneller Aquakultur zu finden).
  • Gärtnern mit nur einem Zehntel des gewöhnlich benötigten Wasserbedarfs.

Erste Schritte zur eigenen Aquaponikanlage: Was ist wichtig?

Ein paar durchdachte Entscheidungen braucht es, damit man gutes Aquaponik planen kann. Schließlich wollen wir ein funktionierendes, lebendes, fein abgestimmtes Öko-System aufbauen. Und nur wenn die beteiligten Tiere, Pflanzen und Mikroben gut leben, hat man Spaß an der Aqua Farm, und auch die Ernte stimmt.

Vorüberlegungen – das sollte man klären:

Auslegung der Fischbecken planen

Wieviel Fisch soll im Aquakultur-Teil produziert werden? Entsprechend muss die Aquakultur dimensioniert sein. Als Faustregel gilt: pro 500 g Fisch im Wasser benötigt man 20-40 Liter Tankvolumen. Schnell wachsende Fische sind bei guten Bedingungen in 9 Monaten „erntereif“. Für 10 – 20 kg Fisch pro Jahr benötigt man also bereits einen Fischtank mit rund 400 – 800 Litern Fassungsvermögen.

Die Fische sollten genügend Platz zur Verfügung haben
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Auslegung der Pflanzbeete in Hydrokultur-Teil planen

Man rechnet mindestens das halbe Volumen der Fischtanks. Für den Anfang wird ein Verhältnis 1:1 empfohlen.

Der Standort Ihrer Aquaponics-Anlage

Sie haben ein frostfreies Gewächshaus im Garten, möglichst mit elektrisch geregelter Lüftung? Das ist schon eine gute Grundlage für Ihre Aquaponics-Anlage.

Ein frostfreies Gewächshaus (neu oder bereits bestehend) ist eine gute Aquaponic-Grundlage
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Aber auch im (eigenen) Haus oder Keller kann man eine Aqua Farm planen und betreiben. Ganz wichtig dabei: Die Statik muss dem beachtlichen Gewicht der Anlage (inklusive Wasser!) gewachsen sein. In jedem Fall benötigt man künstliche Belichtung der Pflanzen, um deren Wachstum zu ermöglichen. Das kann die Stromrechnung erheblich in die Höhe treiben. Außerdem sollte man auf den Fall vorbereitet sein, dass die Aquaponics-Anlage eines Tages unerwartet leck schlagen könnte.

Der Startzeitpunkt

Für einen guten Start sollte man eine Aqua Farm nicht gerade im tiefsten Winter beginnen. Ab dem späten Frühjahr bieten die Außentemperaturen und das natürliche Licht beste Bedingungen, die Pflanzen sind kräftig, die benötigten Bakterien aktiv: Aquaponics mit Unterstützung der Natur. Nun, die Zeit bis dahin kann man prima nutzen, um die technische Hardware und die lebende Software der Aquaponik-Anlage sorgfältig zu planen und vorzubereiten…

Welchen Fisch?

Forellen, zum Beispiel, brauchen kühles, sauerstoffreiches Wasser. Als Carnivoren vertragen sie sich nicht mit anderen Fischen, sondern fressen sie auf. Und Forellen sind empfindlich, stellen hohe Ansprüche mit reinem, sehr sauerstoffreichen Wasser sowie an proteinreiches, tierisches Futter. Für Anfänger eher abzuraten.

Der Barsch ist gut für Anfänger geeignet
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Barsche oder Tilapia sind beliebte Fische in Aquaponics-Kreisen und für Einsteiger geeignet. Sie sind nicht zu anspruchsvoll, was die Umweltbedingungen betrifft und als Pflanzen- und Allesfresser einfach zu füttern. Sie können mit anderen (ebenfalls omnivoren) Arten gehalten werden. Außerdem schmecken sie hervorragend. In jeweils 9 bis 12 Monate sind die Jungfische, gute Bedingungen vorausgesetzt, zur vollen Größe herangewachsen.

Welche Technik?

Die Technik muss für viel Sauerstoff im Wasser sorgen (Umwälzung), für passende Temperaturen (Heizung/Schattierung), genügend Licht für die Pflanzen, einen konstanten pH-Wert sowie einen ausgewogenen Kreislauf der Nährstoffe.

Schaffen Sie die passenden technischen Voraussetzungen
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Deshalb braucht eine einfache Aquaponics-Anlage neben Fischtank und Pflanzbeet auch mindestens eine Pumpe, die die Zirkulation des Wassers im System aufrechterhält.

Komplexere Systeme haben zusätzlich einen Sumpf, der die Pumpe beherbergt und Ort intensiver mikrobieller Umsetzung ist. Es gibt inzwischen fertige Bausätze als Grundlage für die eigene Aqua Farm.

Mein Projekt

1000l IBC Container auf Kunststoffpalette NEUIch möchte allerdings eher eine DIY-Lösung planen: Mit einem gewöhnlichen, tausend Liter fassenden IBC Container, in zwei Hälften geteilt, kann man schon starten: planen Sie 400 Liter für die Fische, 400 für die Pflanzen.

IBC aus Kunststoff sind chemisch inert und damit fischverträglich, was bei Metalltanks nicht immer der Fall ist. Mit dem mitgelieferten Metallgitter sind auch die Hälften weiter stabil. Und solch ein System ist flexibel ausbaubar. Schutzhüllen für den IBC sind ein wichtiger Bestandteil meiner Ausrüstung, da ich beabsichtige meine Aquaponics-Farm im Freien zu bertreiben.

Das Pflanzbeet wird gefüllt mit einem Substrat, das den Pflanzenwurzeln Halt gibt. Möglich sind zum Beispiel Blähton oder Kiesel z.B. aus Granit oder Gneis. Das Material muss chemisch neutral sein und darf den pH-Wert nicht beeinflussen. Bitte keinesfalls kalkhaltiges Material verwenden!

Aquaponik in Aktion: Was sind die Knackpunkte?

Für gutes Gedeihen brauchen sowohl Fische als auch Pflanzen möglichst optimale Bedingungen: sauber, mit den passenden Nährstoffen in Menge und Zusammensetzung, frei von Toxinen, mit angenehmer Temperatur, reich an Sauerstoff. Zentrale Punkte, wenn Sie Aquafarming planen:

Stickstoffkreislauf ins Gleichgewicht bringen

Stickstoff aus den Fisch-Ausscheidungen löst sich im Wasser als Ammonium. Dieses wirkt schnell toxisch für die Fische und auch Pflanzen nehmen bei hohen Konzentrationen Schaden. Sie benötigen Stickstoff vor allem als Nitrat, das aus Ammonium von nitrifizierenden Bakterien erzeugt wird. Die Bakterien-Aktivität muss unbedingt bereits in Schwung sein, bevor Fische eingesetzt werden. Dies bedeutet: Unbedingt vorher kundig machen, sorgfältig planen und vorbereiten!

Achten Sie auf die Werte des Wassers, bevor Sie die Fische ansiedeln
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Algenblüte im Fischbecken vermeiden

Algen verbrauchen Sauerstoff, vor allem wenn sie wieder absterben und sich zersetzen. Dadurch kann die Sauerstoff-Konzentration im Wasser so stark sinken, dass die Fische sterben. Zudem sollten die Pflanzen-Nährstoffe im Pflanzbeet weitgehend aus dem Wasser von den Pflanzen aufgenommen werden. Ins Fischbecken fließt dann nährstoffarmes Wasser und den Algen fehlt die Lebensgrundlage. Gegensteuern kann man durch:

  • Vergrößerung und intensive Bepflanzung des Beets
  • Reduzierung des Fischbesatzes
  • Lichtentzug über eine undurchsichtige dunkle Hülle oder einen entsprechenden Anstrich, sowie mit einer lichtdichten Abdeckung.
Stets den pH-Wert des Wassers im Auge behalten
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pH-Wert kontrollieren, optimal halten

Um allen Lebewesen im System einen pH-Wert möglichst nah am Optimum zu bieten, sollte der pH-Wert nahezu neutral sein (pH 6,7 bis 7,0). Er darf nicht über 7 liegen, weil bei basischen Werten die Ammonium-Gehalte im Wasser steigen, die, siehe oben, tödlich für die Fische werden können. Einen hohen pH bringt z.B. sehr hartes Leitungswasser ins System. Mit einfachen Mitteln (Teststreifen aus Apotheke / Laborbedarf) kontrolliert man den pH mehrmals wöchentlich. Da die biologische Aktivität im System den pH senkt, kann es notwendig werden, den pH zu erhöhen und abzupuffern, indem man Kalk ins Wasser gibt.

Und nun: Viel Spaß beim Aquafarming planen!