Holländern

Holländern: Die schonende Umgrabetechnik – Schritt für Schritt erklärt

Wer schon einmal zur Tulpenblüte in Holland war, weiß, dass unsere niederländischen Nachbarn im Garten vieles richtig machen. Gut möglich, dass die fruchtbaren Böden in holländischen Gärten auch mit dem Holländern zu tun haben. Doch wie genau funktioniert diese traditionelle Umgrabetechnik? Für welche Böden eignet sie sich besonders – und welche Nachteile sollten Sie kennen? In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige rund um das Holländern und wie Sie Ihren Gartenboden optimal auf moderne Bewässerungssysteme vorbereiten.

Was versteht man unter Holländern?

Wenn Sie ein neues Beet oder einen Rasen anlegen möchten, müssen Sie zunächst den Gartenboden lockern. Klassisches Umgraben oder Rigolen sind zwei bewährte Methoden dafür. Holländern bezeichnet eine dritte Variante, die ihren Ursprung in den Niederlanden hat – genauer gesagt in der Urbarmachung von Marschböden und dem Meer entrissenen Flächen. Bei dieser Technik wird der Boden systematisch zwei Spatenstiche tief (etwa 40 bis 50 cm) bearbeitet. Das Besondere: Die Bodenschichten werden gelockert und versetzt, aber nicht komplett durchgemischt. So bleibt die natürliche Schichtung weitgehend erhalten. Besonders gut eignet sich diese Bodenbearbeitungs-Technik für schwere, verdichtete Böden – etwa nach Bauarbeiten oder bei lehmigen Untergründen.

Tulpenfelder
© Studio Barcelona – stock.adobe.com

Holländern, Umgraben oder Rigolen – die Unterschiede

Die drei Techniken unterscheiden sich vor allem in der Bearbeitungstiefe und im Kraftaufwand:

Einfaches Umgraben: Ein Spatenstich tief (20 bis 30 cm). Die Erde wird gewendet und wieder eingesetzt. Geeignet für leichte bis mittelschwere Böden.

Holländern: Zwei Spatenstiche tief (40 bis 50 cm). Die Grabensohle wird zusätzlich gelockert, ohne die Schichten zu vermischen. Ideal für verdichtete und lehmige Böden.

Rigolen: Drei Spatenstiche tief (60 bis 90 cm). Die intensivste, aber auch kraftraubendste Methode. Nur bei extrem verdichteten Böden oder dauerhaft staunassen Flächen sinnvoll.

Rigolen
© ihsan – stock.adobe.com

Das Holländern liegt also genau zwischen einfachem Umgraben und dem sehr aufwendigen Rigolen – ein guter Kompromiss zwischen Tiefenwirkung und Arbeitsaufwand.

Wie genau funktioniert Holländern? Die Schritt-für-Schritt-Anleitung

Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft Ihnen dabei, die Methode effektiv und korrekt umzusetzen. Bei dieser Umgrabetechnik sollten Sie planvoll vorgehen – spontanes Drauflosgraben führt hier nicht zum Ziel.

1. Fläche abstecken und vorbereiten

Gute Planung ist der Schlüssel zum Erfolg. Überlegen Sie sich im Vorfeld genau, welche Bodenfläche Sie lockern möchten, und stecken Sie das künftige Beet oder Rasenstück möglichst exakt ab. Das Geheimnis dieser Technik liegt in einer bahnenweisen, systematischen Umschichtung des Bodens. Orientieren Sie sich bei Ihrer Planung an einem klaren Schema – so sparen Sie Kraft und Zeit.

Achtung: Der Aushub wird nur gelockert, aber nicht komplett gewendet. Oberboden und Unterboden dürfen nicht vermischt werden, da sonst das Bodenleben gestört wird.

2. Startgraben ausheben

Heben Sie mithilfe eines Spatens den ersten Graben aus – etwa 40 bis 50 cm breit und einen Spatenstich tief. Die dabei ausgestochenen Schollen legen Sie außerhalb der abgesteckten Beetfläche zur Seite, am besten in eine Schubkarre. Diese Erde brauchen Sie ganz zum Schluss zum Auffüllen der letzten Reihe.

Für das Holländern vorbereitete Gartenfläche mit klaren, parallelen Arbeitsbahnen

3. Grabensohle lockern

Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Stellen Sie sich rechtwinklig zur Grabenrichtung und lockern Sie die freigelegte Grabensohle einen weiteren Spatenstich tief. Die Erde wird dabei nur aufgelockert, nicht herausgehoben. So erreichen Sie die gewünschte Tiefe von 40 bis 50 cm, ohne die Bodenschichten zu vermischen.

Unser Tipp: In die obere Bodenschicht können Sie bei dieser Gelegenheit auch gut verrotteten Kompost oder anderen organischen Dünger einarbeiten. Frischen Mist sollten Sie allerdings nur oberflächlich einbringen, um Fäulnis zu vermeiden.

4. Systematisch weiterarbeiten

Stechen Sie nun die nächste Reihe ab und füllen Sie mit der dabei gewonnenen Erde Stück für Stück den ersten Graben auf – ohne die einzelnen Schollen zu wenden. Anschließend lockern Sie wieder die Grabensohle. Bahn für Bahn arbeiten Sie sich so systematisch durch die Fläche. Die letzte ausgehobene Furche füllen Sie mit der Erde der Startfurche auf.

 

Gut zu wissen: Grobe Schollen brauchen Sie nicht mühevoll zu zerhacken. Wenn Sie im Spätherbst holländern, zerfallen sie durch Frost und Regen von selbst in feine Krümel – ein Effekt, den Gärtner als Frostgare bezeichnen.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Holländern?

Der ideale Zeitpunkt für das Holländern liegt im Spätherbst, etwa von Mitte September bis Ende Oktober. Idealerweise graben Sie kurz vor den ersten Frösten um. Der Boden sollte dabei leicht feucht sein – nicht zu nass und nicht völlig ausgetrocknet.

Warum gerade der Herbst? Das Geheimnis liegt in der sogenannten Frostgare: Wenn das Wasser in den groben Erdschollen gefriert, dehnt es sich aus und sprengt die Klumpen von innen auf. Im Frühjahr finden Sie dann einen feinkrümeligen Boden vor, der sich mit dem Rechen leicht glätten lässt und optimal für die Aussaat vorbereitet ist.

Gut zu wissen: Das Holländern im Frühjahr ist ebenfalls möglich, allerdings ist der Boden nach der Schneeschmelze oft schwer und nass. Die Arbeit wird dadurch anstrengender, und Sie müssen einige Wochen warten, bis sich der Boden gesetzt hat.

Holländern 3 (ChatGPT)

Welche Vorteile hat diese Technik?

Erde auflockern und wenden auf klassische Art ist bei schweren Lehmböden kräftezehrend. Diese Umgrabetechnik ist deutlich weniger anstrengend und zudem besonders bodenschonend. Weil die Bodenschichten bei dieser Methode nicht gewendet werden, bleibt die natürliche Schichtung erhalten. Im Boden lebende Regenwürmer und Mikroorganismen werden in ihrem angestammten Lebensraum kaum gestört. Das ist bedeutsamer, als es auf den ersten Blick scheint: In einem Liter Gartenerde tummeln sich mehrere Milliarden Lebewesen, die entscheidend zur natürlichen Bodenverbesserung beitragen. Weitere Vorteile sind eine bessere Wasseraufnahme durch gelockerte, aber nicht zerstörte Porenräume. So vorbereitete Böden eignen sich hervorragend für die Installation effektiver Tröpfchenbewässerung.

Gut zu wissen: Holländern optimiert die Durchlüftung und Wasserleitfähigkeit, ohne die Struktur des Bodens zu zerstören. Aus diesem Grund ist die Methode eine hervorragende Vorbereitung für effiziente Bewässerungssysteme.

Vorteile der Umgrabetechnik auf einen Blick:

  • Besonders schonend für Mikroorganismen und Bodenleben
  • Keine Vermischung tiefer und oberflächennaher Bodenschichten
  • Langfristig bessere Bodenstruktur durch erhaltene Porenräume
  • Geringeres Risiko von erneuter Bodenverdichtung
  • Weniger Kraftaufwand als tiefes Rigolen
  • Gleichmäßigere Wasserverteilung im Boden – ideal für Bewässerungssysteme

Holländern NanoBanana

Nachteile des Holländerns, die Sie kennen sollten

Nicht immer und in jeder Gartensituation ist diese Umgrabetechnik optimal. Die schonende Methode eignet sich beispielsweise nicht zur Entfernung von hartnäckigem Unkraut und tiefen Wurzeln. Da die Schollen nicht gewendet werden, können Quecken und andere Wurzelunkräuter überleben. Auch bei sehr steinigen Böden wird diese Technik mühsam – hier liegen die Vorteile traditioneller Techniken klar auf der Hand. Zudem erfordert die Umgrabetechnik eine gewisse Planung: Wer spontan nach Feierabend schnell ein Stückchen Beet lockern möchte, ist mit einfachem Umgraben oft schneller am Ziel. Ob die Vorteile oder Nachteile überwiegen, lässt sich pauschal nicht beantworten – entscheiden Sie im Einzelfall.

Auf einen Blick:

  • Weniger tiefgehend als Rigolen
  • Benötigt ein klares System – nichts für spontane Aktionen
  • Eignet sich nur bedingt zur dauerhaften Entfernung von Wurzelunkräutern
  • Mühsam und wenig geeignet bei sehr steinigen Böden

Holländern heute – eine kritische Einordnung

In der modernen Gartenpraxis wird das tiefe Umgraben – ob Holländern oder Rigolen – durchaus kritisch diskutiert. Manche Experten bezeichnen diese Techniken als veraltet, da sie das Bodenleben stören können. Die sogenannte No-Dig-Bewegung setzt stattdessen auf oberflächliches Mulchen und verzichtet ganz auf tiefes Graben. Übrigens, wie Sie ein No-Dig-Beet anlegen stellen wir ihnen in unserem Magazin-Artikel: No-Dig-Methode vor. Für die meisten Hobbygärtner gilt jedoch: Bei leichten, sandigen Böden ist tiefes Umgraben tatsächlich meist überflüssig. Hier genügt es, den Boden mit einem Sauzahn oder einer Grabegabel oberflächlich zu lockern. Bei schweren, verdichteten Lehmböden oder auf Neubaugrundstücken, die durch Baufahrzeuge stark verdichtet wurden, bleibt die Technik aber eine sinnvolle und bewährte Methode.

Die Rolle des Bodens für die Bewässerung

Es ist kein Zufall, dass diese Umgrabemethode ihren Ursprung in Holland hat. Hier ging es oft darum, schwere, staunasse und regelmäßig überschwemmte Marschböden erfolgreich zu durchlüften und in fruchtbare Gartenböden zu verwandeln. Systematisch gelockerte, aber nicht klassisch umgestochene Böden bewahren die ökologische Vielfalt und speichern das Wasser besonders gleichmäßig.

Wo Regen- oder Gießwasser gut und vor allem gleichmäßig versickert, können Pflanzen leichter damit versorgt werden. Wenn Beet oder Rasen optimal für die Bewässerung oder Beregnung mit Versenkregnern vorbereitet werden sollen, überwiegen die Vorteile dieser Umgrabetechnik  fast immer die oben aufgezählten Nachteile. Besonders in Kombination mit einem IBC-Container zur Regenwasserspeicherung schaffen Sie so ein nachhaltiges Bewässerungssystem für Ihren Garten.

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Alternativen zum Holländern

Wenn Sie auf tiefes Umgraben verzichten möchten oder Ihr Boden es nicht erfordert, gibt es schonende Alternativen:

Sauzahn: Dieses einzinkige Werkzeug lockert den Boden tiefgründig, ohne die Schichten zu vermischen. Ideal für die jährliche Beetpflege.

Grabegabel: Schonender als der Spaten und besonders für regenwurmreiche Böden geeignet. Die Zinken lockern, ohne zu wenden.

Mulchen: Eine dicke Schicht aus Laub, Stroh oder Kompost schützt den Boden und fördert das Bodenleben. Die Regenwürmer übernehmen die Lockerungsarbeit.

Gründüngung: Tiefwurzelnde Pflanzen wie Lupinen oder Sonnenblumen lockern den Boden auf natürliche Weise und reichern ihn mit Nährstoffen an.

Unser Fazit

Wenn Sie von einem Blühparadies wie im Keukenhof und reicher Gemüseernte im Garten träumen, kommen Sie um das regelmäßige Lockern des Bodens nicht herum. Wie Sie die Erde auflockern, hängt von der Bodenbeschaffenheit und von Ihrem persönlichen Gartentyp ab.

Für planvoll arbeitende Hobbygärtner, die ihren Gartenboden lockern und für moderne Bewässerungssysteme vorbereiten möchten, ist das Holländern eine bewährte Methode mit klaren Vorteilen. Besonders bei schweren, verdichteten Böden sorgt diese traditionelle Technik für optimale Bedingungen – und Sie werden mit einem gesunden, gut durchlüfteten Gartenboden belohnt, in dem Ihre Pflanzen prächtig gedeihen.