© singkham - stock.adobe.com

Wasser sparen im Garten

Tipps für trockene Sommer

Ein gepflegter Garten und ein sparsamer Umgang mit Gießwasser schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Wer gezielt bewässert, schont die Umwelt, senkt die Kosten und bringt seine Pflanzen oft sogar besser durch heiße Phasen als ein Gartenbesitzer, der täglich literweise Leitungswasser über die Beete verteilt. Doch wo lässt sich am meisten einsparen? Welche Bewässerungstechnik ist wirklich effizient? Und welche Pflanzen kommen mit wenig Feuchtigkeit aus? Dieser Ratgeber zeigt Ihnen die wirksamsten Stellschrauben, mit denen Sie im Garten Wasser sparen – ohne dass Rasen, Stauden oder Gemüse darunter leiden.

Warum Wasser im Garten zu sparen immer wichtiger wird

Trinkwasser ist in Mitteleuropa zwar verfügbar, aber nicht unbegrenzt. In trockenen Sommern können kommunale Wasserwerke an ihre Grenzen geraten, einzelne Gemeinden sprechen dann sogar zeitweise Bewässerungsverbote für Privatgärten aus. Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Wer im Hochsommer regelmäßig zum Schlauch greift, verteilt schnell mehrere hundert Liter Leitungswasser pro Woche und spürt das auf der nächsten Wasserrechnung deutlich. Welche Sparpotenziale beim Gartenwasser besonders ins Gewicht fallen, zeigt unser Magazin-Beitrag Beim Gartenwasser Geld sparen?. Dazu kommt der ökologische Gewinn: Jeder Liter Leitungswasser, der nicht im Beet landet, entlastet Grundwasser und Trinkwasseraufbereitung gleichermaßen.

Ein Bewässerungssystem mit Tropfschläuchen
© scharfsinn86 – stock.adobe.com

Der richtige Gießzeitpunkt entscheidet

Wann Sie gießen, hat erheblichen Einfluss darauf, wie viel Gießwasser tatsächlich bei den Pflanzen ankommt. In der Mittagssonne verdunstet ein Großteil davon, bevor die Wurzeln davon profitieren – Untersuchungen sprechen von bis zu 90 Prozent Verlust beim Rasensprenger zur falschen Tageszeit. Optimal ist der frühe Morgen zwischen vier und sieben Uhr. Boden und Luft sind noch kühl, der Wind steht meist still, und die Pflanzen können die Feuchtigkeit bis zur nächsten Hitzespitze aufnehmen. Das spart Wasser. Wer morgens nicht gießen kann, weicht auf den späten Abend nach Sonnenuntergang aus. Vermeiden sollten Sie allerdings das Gießen kurz vor der Nacht, wenn die Blätter feucht bleiben – das begünstigt Pilzkrankheiten. Wie Sie auch in extremen Phasen richtig vorgehen, erklärt unser Ratgeber Garten gießen und bewässern bei großer Hitze.

Frau gießt am frühen Morgen ein Hochbeet mit einer Metallgießkanne

Lieber selten und durchdringend statt oft und oberflächlich

Eine der wirksamsten Maßnahmen, um Wasser zu sparen, klingt zunächst paradox – seltener gießen, dafür gründlicher. Wer täglich kleine Mengen verteilt, erzieht seine Pflanzen zu flachen Wurzeln. Sie bleiben dauerhaft auf das Gießwasser angewiesen. Wer dagegen ein- bis zweimal pro Woche durchdringend wässert, sodass die Feuchtigkeit mehrere Zentimeter tief in den Boden eindringt, regt die Pflanzen an, tiefere Bodenschichten zu erschließen. Als Faustwert für Beete und Stauden gelten 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter pro Gießgang, beim Rasen ebenfalls etwa 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter und Woche. Genauere Werte für Ihren Boden ermittelt ein Bodenfeuchtesensor – wie Sie damit arbeiten, beschreibt unser Magazin-Artikel Bodenfeuchte messen und adäquat bewässern.

Mann prüft kniend mit dem Finger die Bodenfeuchte in einem bunten Staudenbeet

Gut zu wissen: Ein einfacher Test reicht oft schon, um zu prüfen, ob Sie wirklich gießen müssen. Stecken Sie den Finger einige Zentimeter tief in die Erde. Fühlt sie sich dort noch feucht an, kann das Gießen warten.

Wurzelnah gießen statt von oben

Beim Gießen über Blätter und Stiele verdunstet ein erheblicher Teil der Feuchtigkeit, bevor sie überhaupt im Boden ankommt. Effizienter ist es, das Gießwasser direkt an den Wurzelbereich zu leiten. Bei der Gießkanne gelingt das, indem Sie die Brause abnehmen und am Pflanzenfuß ausgießen. Beim Schlauch lohnt sich eine Lanze oder ein Auslass nahe der Erde. Noch konsequenter setzt eine Tropfbewässerung dieses Prinzip um – sie ist die wirkungsvollste Einzelmaßnahme, wenn es um effiziente Bewässerung geht.

Tropfschlauch bewässert direkt die Wurzelregion
© Quils – stock.adobe.com

Mit Tropfbewässerung deutlich weniger Wasser verbrauchen

Tropfschläuche, Tropfrohre und Mikrotropfer geben das Gießwasser langsam und gezielt direkt an der Zier- oder Nutzpflanze ab. Im Vergleich zu einem oberirdischen Sprenger lassen sich damit je nach Standort 30 bis 70 Prozent einsparen, weil Verdunstungs- und Streuverluste praktisch entfallen. Hinzu kommt ein zweiter Vorteil, der beim Sparen hilft. Das Wasser sickert langsam ein, gelangt auch in tiefere Bodenschichten und wird von den Nutz- oder Zierpflanzen besser aufgenommen. Tropfsysteme lassen sich für Beete, Hecken, Hochbeete und auch das Gewächshaus im Garten passgenau zusammenstellen – die Komponenten der Tropfbewässerung sind modular kombinierbar und bei Bedarf mit einem Bewässerungscomputer für die zeitgesteuerte Versorgung erweiterbar. Welche Einsparpotenziale realistisch sind und worauf Sie bei der Planung achten sollten, vertieft unser Ratgeber Spart die Tröpfchenbewässerung Wasser?.

 

100m Dripline 16mm Tropfrohr Tropfabstand 33cm

Regenwasser sammeln und im Garten nutzen

Eine besonders wirksame Möglichkeit, um Wasser im Garten zu sparen, ist das Auffangen von Regenwasser. Schon eine einzige Regentonne sammelt mehrere hundert Liter pro stärkerem Niederschlag, ein 1000-Liter-IBC-Container deckt selbst den Bedarf größerer Hausgärten über mehrere trockene Wochen ab. Regenwasser hat zudem einen entscheidenden Vorteil gegenüber Leitungswasser. Es ist weich, kalkarm und liegt im pH-Wert näher am natürlichen Bedarf der meisten Gartenpflanzen. Warum sich der Umstieg gerade aus Pflanzensicht lohnt, lesen Sie in unserem Magazin-Beitrag Garten mit Leitungs- oder mit Regenwasser gießen?.

Weißer 1000-Liter-IBC-Container auf PE-Palette neben einem norddeutschen Backsteinhaus

Angeschlossen wird der Auffangbehälter über einen Regendieb oder Regensammler am Fallrohr – das Niederschlagswasser läuft direkt aus der Dachrinne in Tank oder Tonne. Mehrere IBC Container lassen sich über Tankverbinder koppeln, sodass auch große Speichermengen bei begrenzter Stellfläche möglich sind.

1000l IBC Regenwassertank Neuwertig mit Fallrohranschluss + Schwanenhals

Den Boden zum Speicher machen

Ein guter Boden im Garten bewässert sich zu großen Teilen selbst, wenn er Feuchtigkeit aufnehmen, halten und an die Wurzeln abgeben kann. Drei Maßnahmen sind hier besonders wirksam. Mulch ist die wirkungsvollste Einzelmaßnahme im Beet. Eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Schicht aus Rindenmulch, Stroh, Rasenschnitt oder Laub schützt den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung, hält die Verdunstung niedrig und unterdrückt zugleich Unkraut. Untersuchungen belegen Einsparungen von 25 bis 50 Prozent allein durch konsequentes Mulchen.

Frau mit Strohhut verteilt Rindenmulch zwischen Lavendel und Salbei in einem Staudenbeet

Auch das regelmäßige Hacken trägt entscheidend dazu bei, Feuchtigkeit im Boden zu halten und Wasser im Garten zu sparen. Wenn Sie die obere Bodenschicht regelmäßig auflockern, brechen Sie die feinen Kapillaren auf, durch die die Bodenfeuchte sonst nach oben verdunstet. Eine alte Gärtnerregel bringt das auf den Punkt – einmal hacken spart dreimal gießen.

Langfristig zahlt sich auch Humus aus, um Wasser im Garten zu sparen. Ein humusreicher Boden speichert ein Vielfaches seines Trockengewichts an Feuchtigkeit. Regelmäßige Kompostgaben und der Verzicht aufs Umgraben in Trockenphasen verbessern die Speicherfähigkeit des Bodens im Garten Jahr für Jahr.

Pflanzen, die wenig Wasser brauchen

Die einfachste Sparmaßnahme beginnt schon bei der Pflanzenauswahl für den Garten. Trockenheitstolerante Stauden, mediterrane Kräuter und tiefwurzelnde Gehölze kommen mit deutlich weniger Feuchtigkeit aus als Hortensien, Rhododendren oder ein klassischer Zierrasen. Lavendel, Thymian, Rosmarin, Salbei, Schafgarbe, Mädchenauge, Steppen-Salbei und Fetthenne überstehen längere Trockenphasen problemlos. Auch viele heimische Wildstauden wie Sonnenröschen, Wiesensalbei oder Glockenblume sind robust und gleichzeitig wertvoll für Insekten. Eine ausführliche Übersicht finden Sie in unserem Magazin-Artikel Pflanzen mit wenig Wasserbedarf.

Sonniges Staudenbeet mit Lavendel, Thymian, Salbei und Schafgarbe vor einer Backsteinmauer

Wichtig ist außerdem, Pflanzen mit ähnlichem Bedarf an Wasser in sogenannten Hydrozonen zusammenzufassen. Wer durstige und genügsame Arten gemischt in ein Beet setzt, gießt entweder die einen zu wenig oder die anderen zu viel. Wie sich ein ganzer Garten konsequent auf Trockenheit ausrichten lässt, beschreibt unser Ratgeber Garten für Trockenheit umgestalten und nachhaltig bewässern.

Den richtigen Standort wählen

Pflanzen am falschen Platz brauchen mehr Feuchtigkeit, als nötig wäre. Schattenliebende Arten wie Funkien oder Astilben verbrennen in der Mittagssonne und verlieren über die Blätter mehr Flüssigkeit, als sie aufnehmen können. Sonnenanbeter wie Lavendel oder Steingartenstauden verkümmern dagegen im feuchten Halbschatten. Ein gründliche Standortprüfung vor dem Pflanzen sparen über die gesamte Lebensdauer einer Staude etliche hundert Liter Gießwasser. Achten Sie auch darauf, empfindliche Pflanzen unter den Lichtschatten von Gehölzen zu setzen – das kühlere Mikroklima reduziert die Verdunstung deutlich und spart so Wasser.

Beetformen, die Feuchtigkeit zurückhalten

Manche Beetformen sind gezielt darauf ausgelegt, Wasser zu sparen. Ein Kraterbeet etwa nutzt einen kreisrunden Wall, um Niederschläge zur Mitte hin zu leiten und die Verdunstung zu reduzieren – ideal für trockenheitsanfällige Standorte. Wie Sie es Schritt für Schritt anlegen, erklärt unser Ratgeber Kraterbeet Schritt für Schritt anlegen. Noch effektiver ist das Keyhole-Garden-Prinzip mit integriertem Kompost, bei dem der Kompostkern als Speicher für Feuchtigkeit und Nährstoffe zugleich dient. Details dazu finden Sie in unserem Magazin-Beitrag Keyhole-Garden anlegen. Auch ein Hügelbeet hält Feuchtigkeit durch seine humusreiche Schichtstruktur länger. Wer nachhaltige Beetformen kombiniert, reduziert den Gießaufwand spürbar und spart einiges an Wasser.

Kraterbeet von oben mit ringförmigem Erdwall, Mulchpfad und Mischbepflanzung aus Salat, Kräutern und Gemüse

Den Rasen wassersparend pflegen

Rasen ist der größte Verbraucher im klassischen Hausgarten. Mit ein paar einfachen Anpassungen lässt sich der Bedarf deutlich senken. Schneiden Sie das Gras im Sommer nicht zu kurz – eine Schnitthöhe von mindestens vier, besser fünf bis sechs Zentimetern beschattet den Boden und reduziert die Verdunstung. Mulchmähen hilft zusätzlich. Der zerkleinerte Rasenschnitt bleibt liegen und wirkt wie eine dünne Mulchschicht. Gießen Sie selten und durchdringend statt täglich kurz – das fördert tiefe Wurzeln und macht den Rasen widerstandsfähiger gegen Trockenphasen. Wann genau die beste Zeit zum Wässern ist, vertieft unser Magazin-Beitrag Die optimale Bewässerungszeit für den Rasen.

Hinweis: Ein brauner Rasen ist im Sommer nicht tot, sondern in Trockenruhe. Er ergrünt nach den nächsten Niederschlägen meist innerhalb weniger Tage wieder. Wer das aushält, spart über den Sommer mehrere hundert Liter Gießwasser.

Das Sparen von Wasser im Garten ist letztlich eine Frage der richtigen Kombination. Zielgenaue Bewässerung, ein guter Boden, passende Pflanzen am richtigen Standort und konsequente Nutzung von Regenwasser greifen ineinander. Wer auch nur einen Teil dieser Stellschrauben dreht, senkt seinen Verbrauch oft schon um die Hälfte. Wer alle nutzt, macht seinen Garten weitgehend unabhängig von Hitzeperioden und schafft sich gleichzeitig einen Lebensraum, der ökologisch wertvoll und pflegeleicht zugleich ist.